Willkommen zum vierten Teil meiner Reihe: Fotografie 1×1. In dieser Ausgabe beschäftige ich mich mit dem sogenannten Crop-Faktor.

Was ist der Crop-Faktor?

Damit Du Dir vorstellen kannst, welchen Einfluss der Crop-Faktor auf Deine Fotos hat, musst Du Dir einmal merken, dass das Bild, welches durch das Objektiv auf einer Kamera auf den Sensor dahinter projiziert wird, immer die gleiche Größe hat. Damit Du es Dir einfacher vorstellen kannst, habe ich mal ein kleines Schaubild gebastelt:

So sieht ein Motiv für Dein Objektiv aus

Jetzt zeige ich Dir, welchen Ausschnitt ein Vollformatsensor (meist in den teureren Profikameras verbaut) davon in etwa abbekommt:

Bildausschnitt bei Voll- bzw. Kleinbildformat (36x24mm) (roter Rahmen)

Wie Du sehen kannst, „sieht“ ein Vollformatsensor schon eine ganze Menge von dem was das Objektiv einfängt. Jetzt zeige ich Dir mal wie das ganze aussieht, wenn das gleiche Objektiv auf einer Kamera mit einem kleineren Sensor geschraubt wird:

Bildausschnitt beim sogenannten APS-C Format (blauer Rahmen)

Schon ein Unterschied, oder? Hier kannst Du Dir die beiden fertigen Fotos jetzt einmal im direkten Vergleich ansehen:

Links hätten wir einmal das Vollformat-Foto und rechts das APS-C Gegenstück.

Hinweis: Die Bilder sind nur Beispielhaft und sollen verdeutlichen, was ich in diesem Beitrag beschreibe. Die Ausschnitte entsprechen nicht zwingend dem tatsächlichen Ergebnis.

Die Brennweite war bei beiden Aufnahmen genau die gleiche, durch den kleineren Sensor wirken die Aufnahmen im APS-C Format so, als wenn man näher herangezommt hätte.

Das ist oder besser gesagt bewirkt also der sogenannte Crop-Faktor. Bei den digitalen Spiegelreflexkameras mit einem DX-Sensor (so heißt das APS-C Format bei Nikon) von Nikon beträgt dieser übrigens 1,5x, das heißt: Ein Objektiv mit 50mm Brennweite entspricht vom Bildausschnitt her einem Objektiv mit 75mm. Auf der einen Seite hat dies seine Vorteile, aber es hat leider auch Nachteile. Dazu komme ich aber später.

Was bedeutet Vollformat?

Die Bezeichnung Vollformat bezieht sich auf den klassischen Kleinbildfilm aus dem analogen Bereich, der 36mm breit und 24mm hoch ist. Ein digitaler Vollformatsensor hat genau die gleichen Abmessungen.

Was bedeutet APS-C?

APS-C ist die Kurzform von Advanced Photo System – Classic. Ein Sensor in diesem Format ist ca. 23mm breit und 15mm hoch, wobei es hier noch kleine (aber feine) Abweichungen bei verschiedenen Herstellern geben kann.
Bei Nikons DX-Format und bei Sonys APS-C Modellen ist der Sensor ca. 23,6×15,8mm groß, während der APS-C Sensor bei vielen Canon Modellen etwa 22,2×14,8mm groß ist. Aus diesem Grund spricht man bei Nikon und Sony übrigens von einem Crop-Faktor mit dem Wert 1,5 und bei Canon von 1,6.

Digitale Spiegelreflexkameras mit APS-C / DX Sensor sind z.B.

  • Nikon D100, D200, D300, D500, D3000, D3100, D3200, D3300, D5000, D5100, D5200, D5300, D5400, D5500, D7000, D7100, D7200, D7500
  • Canon EOS 100D, EOS 1200D, EOS 1300D, EOS 700D, EOS 350D, EOS 450D, EOS 550D, EOS 650D, EOS 750D, EOS 760D, EOS 60D, EOS 70D, EOS 80D, EOS 7D

Es gibt übrigens noch viele kleine Formate, die dann natürlich auch entsprechend größere Crop-Faktoren besitzen. Die kleineren Sensoren kommen z.B. in Kompaktkameras oder Smartphones zum Einsatz.

Tatsächliche Brennweite berechnen

Wenn Du wissen möchtest, welcher Brennweite im KB-Format der eingestellte Wert an Deinem Objektiv entspricht, multipliziere den Wert mit dem Crop-Faktor.

Ein paar Beispiele:

  • 50mm x 1,5 = 75mm
  • 50mm x 1,6 = 80mm
  • 300mm x 1,5 = 450mm
  • 300mm x 1,6 = 480mm

Im Handel, z.B. in Internetshops oder Verkaufsprospekten ist es übrigens üblich, dass die Brennweiten immer in Bezug auf das Kleinbild- bzw. Vollformat angegeben werden.

Gibt es noch etwas Größeres als das Vollformat?

In der Tat. Das sogenannte Mittelformat bringt ganze 48x36mm aufs Messbrett und ist damit noch einmal deutlich größer als sein kleiner Bruder.

Vor- und Nachteile

Wie weiter oben bereits angekündigt, möchte ich die Vor- und Nachteile des Crop-Faktors nicht unerwähnt lassen.

  • Ein ganz klarer Vorteil von APS-C Kameras im Vergleich zu ihren großen Geschwistern ist der Preis. APS-C Equipment ist nämlich meist deutlich günstiger als vollformattaugliche Ausrüstung.
  • Ein weiterer Vorteil (gleichzeitig aber in manchen Fällen auch ein Nachteil) ist die vermeintlich größere Brennweite. Mit einem 300mm Objektiv an einer Kamera mit APS-C Sensor bringst Du es es z.B. fast auf 500mm. Im Weitwinkelbereich werden aus 16mm aber leider 24mm.

Es gibt natürlich noch weitere Vor- und Nachteile, aber ich wollte diesen Beitrag nicht unnötig aufblähen. Wenn ich einen wichtigen Punkt vergessen haben sollte, dann schreib ihn mir gerne als Kommentar unter diesen Beitrag 😉

Ich hoffe meine kleine Reihe Fotografie 1×1 hat Dir bisher gefallen. Ich würde mich in jedem Fall über einen Kommentar freuen und wenn Du Fragen hast, kannst Du diese natürlich auch sehr gerne in die Kommentare posten, oder eine kurze Mail schicken.

Hinweise in eigener Sache: Dieser Beitrag entstand aus eigenem Antrieb. Es gab dafür keinen Auftrag, Deal, eine Bezahlung oder ähnliches.

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